Ökonomische Grundtugend: „Man kann nur ausgeben, was man hat”

Ökonomische Grundtugend - Man kann nur ausgeben, was man hat

Dieser Aussage kann man wohl kaum widersprechen. Und sie hat in allen Lebensbereichen ihre Relevanz. Von der schwäbischen Hausfrau, die hier natürlich nur als Klischee herhalten soll, bis zum internationalen Großkonzern: Das Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben beschreibt die ökonomische Grundtugend schlechthin. Denn wenn man mehr ausgibt als man hat, wenn man also Schulden macht, geht das eine Zeitlang sicher gut. Doch über kurz oder lang ist ein Punkt erreicht, an dem das Missverhältnis von Einnahmen zu Ausgaben eskaliert. Das nennt man landläufig Pleite.

Vor einer solchen Pleite steht die Weltgemeinschaft und mit ihr die Staaten, Kommunen, Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Unternehmen. Denn hier sitzen alle gemeinsam in einem Boot oder, um es treffender zu beschreiben, auf einem kleinen blauen Planeten. Dessen Ressourcen sind naturgegeben endlich. Und genau diese Ressourcen gehen zur Neige. Warum? Spätestens seit den 1970er Jahren leben die Menschen und mit ihnen die Unternehmen von der Substanz. Sie verbrauchen deutlich mehr als sie zurückgeben, bzw. durch natürliche Prozesse wiederhergestellt wird. Und damit sind nicht nur die Bodenschätze wie Öl und Gas gemeint, sondern auch die natürlichen Ressourcen wie intakte Ökosysteme oder eben die Zusammensetzung der Erdatmosphäre.

Welche Konsequenzen dieser Raubbau an den Ressourcen unseres Planeten mit sich bringt, wird zunehmend spürbar. Und das nicht nur in den entlegenen Gegenden des tropischen Regenwalds in Südamerika, Afrika, Asien oder den Atollen im Pazifischen und Indischen Ozean, die langsam untergehen. Etliche Dürrejahre, in denen es nur einen Bruchteil der Sollmenge geregnet hatte, setzen dem Wald und der Landwirtschaft auch hierzulande deutlich zu. In den Mittelgebirgen sind die braunen Flecken aus abgestorbenen Fichten nicht mehr zu übersehen. Und Agrarbetriebe investieren jährlich immer mehr in den Schutz und die Bewässerung ihrer Pflanzen. Das alles kostet schon jetzt riesige Summen. Allein die Umweltschäden durch die Emission von Treibhausgasen und Luftschadstoffen bei der Strom- und Wärmeerzeugung sowie dem Straßenverkehr betragen deutlich über 200 Mrd. EUR jährlich. Und nicht nur die schwäbische Hausfrau fragt sich: „Wer bezahlt das eigentlich alles?“

Diese Frage wird Politik, Wirtschaft und die Öffentlichkeit in den nächsten Jahren am meisten beschäftigen. Denn die Kosten, die vor allem die Klimakrise verursacht, werden gegenwärtig überwiegend durch die Allgemeinheit bezahlt. Über ein komplexes Konstrukt aus Subventionen, Steuererleichterungen, nichterhobenen Steuern und Abgaben oder durch staatliche Dienstleistungen im Sinne einer pauschalen Gemeinkostenumlage, werden diese derzeit gleichmäßig verteilt.

Die neue Maxime: „Wer verbraucht, soll auch zahlen.“

Doch genau an dem Punkt der gleichmäßigen Verteilung entsteht der Streit. Denn klar ist, dass sich dieser Status Quo in Zukunft nicht aufrechterhalten lässt. Zum einen nehmen die Schäden mit einem solchen Tempo zu, dass sie schon in naher Zukunft nicht mehr beherrschbar oder gar umzukehren sind. Zum anderen entwickelt und verstärkt sich ein gesellschaftlicher und politischer Diskurs darüber, wer denn zukünftig für die Umweltschäden zu welchem Anteil aufkommen solle. Das Zerren um die CO2-Abgabe ist derzeit wohl das plakativste Beispiel.

Doch eines ist bereits jetzt klar. Die kommenden Jahre werden davon geprägt sein, dass bislang externalisierte und vergemeinschaftete Kosten reinternalisiert werden. Und das mit zwei Zielsetzungen:

1.           Preisliche Sanktionierung von klima- und umweltschädlichem Verhalten und Förderung von schonenden Alternativen.

2.           Verbrauchsorientierte Umlage der Kosten.

Der CO2-Preis macht dabei den Anfang, Kunststoffe und Verpackungen werden in Kürze folgen, ebenso wie das beschlossene Lieferkettengesetz. Sukzessive werden so alle Sektoren, Branchen und Wertschöpfungsketten unter die Lupe genommen und nach den beiden genannten Aspekten kostenseitig umverteilt. Je nach politischer Großwetterlage wird das schneller oder etwas langsamer gehen. An der Notwendigkeit, die Wirtschaftsstruktur vollständig umzugestalten, wird das nichts ändern.

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