SDGs – Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

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Produktive Vollbeschäftigung, ein Bruttoinlandsprodukt von mindestens 7% in den am wenigsten entwickelten Ländern und gleichzeitig menschenwürdige Arbeitsbedingungen für alle. Das alles soll laut dem achten Nachhaltigkeitsziel „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ bis zum Jahr 2030 erreicht werden und zu spürbaren Verbesserungen der Lebensbedingungen führen. Ambitioniert, wie alle Sustainable Development Goals (SDGs) der UN-Nachhaltigkeitsagenda aus 2015.

Die Herausforderung 

Eine wachsende Wirtschaft ist notwendig, um die Lebensbedingungen für die Bevölkerungsmehrheit zu verbessern und Armut zu bekämpfen. Allerdings muss der Wohlstandszuwachs ökologisch und sozial nachhaltig gestaltet werden, und darf nicht – wie bisher – auf Kosten der natürlichen Ressourcen und des Weltklimas gehen. Teilweise wird Wirtschaftswachstum mit Zwangsarbeit, Menschenhandel und Kinderarbeit erkauft. Auch gesundheitsschädliche Arbeitsumgebungen, ungleiche Bezahlung und fehlende Inklusion sind in vielen Arbeitsbereichen Normalität.

Offensichtlich wird es keine leichte Aufgabe, das Spannungsfeld von Wirtschaftswachstum und fairer Arbeit aufzulösen, insbesondere in Gegenden der Welt, die unter härteren Bedingungen wirtschaften, weniger Ressourcen zur Verfügung haben oder schlicht vom reicheren Teil der Erde ausgebeutet werden.

Was können wir tun? 

Klar ist, dass Wirtschaftswachstum und Umweltzerstörung entkoppelt werden müssen, denn sonst berauben wir uns in immer schnelleren Schritten unserer Lebensgrundlage. Höhere Produktivität darf nicht durch Ausbeutung erreicht werden. Was sind also Lösungsansätze?

Lassen Sie uns trotz der Schwierigkeiten einen Blick auf den positiven Zusammenhang von menschenwürdiger Arbeit und nachhaltigem Wirtschaftswachstum legen: Zufriedene Mitarbeiter sind produktiver, sichere Arbeitsumgebungen vermeiden Folgekosten, umweltschonende Verfahrenstechniken schützen die benötigten Ressourcen. Höhere wirtschaftliche Produktivität kann anstelle von Ausbeutung durch Diversifizierung, technologische Modernisierung und Innovation erreicht werden. Die Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle, kommt es doch darauf an, ob wir sie als Gefahr sehen, die durch Automatisierung und KI Arbeitsplätze gefährdet oder ob wir sie als Chance nutzen, für mehr Freiraum und Zeit für die benötigte Kreativität, Innovationsfreude und auch persönliche Weiterentwicklung des einzelnen. Eine Reduzierung der Arbeitszeiten könnte ein Ansatz mit positivem volkswirtschaftlichen Gesamtnutzen sein. Durch die digitale Effizienzsteigerung könnte dennoch eine ausreichende Bezahlung sichergestellt werden. Mithilfe des technologischen Fortschritts kann und muss die weltweite Ressourceneffizienz sowohl beim Konsum als auch in der Produktion verbessert werden.

Ein weiterer Vorschlag zur Beseitigung menschenunwürdiger Armut ist die Durchsetzung eines globalen Mindestlohns von einem US-Dollar pro Stunde. Dieses Gedankenexperiment geht davon aus, dass die Armen plötzlich Entwicklungsperspektiven in ihrer Heimat haben, was Fluchtursachen nachhaltig beseitigt. Die gesamte Menschheit könnte vom „ersten wirklich sozialen Wirtschaftswunder“ enorm profitieren, und die Wirtschaft hätte kein Problem damit, da das Konzept wettbewerbsneutral ist. 

Klar ist: Wir müssen sofort wirksame Maßnahmen ergreifen, um Zwangsarbeit abzuschaffen und moderne Sklaverei und Menschenhandel zu beenden. Ziel ist es, dass es bis 2025 keine Kinderarbeit mehr gibt. Am dringendsten müssen das Verbot und die Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit, einschließlich der Einziehung und des Einsatzes von Kindersoldaten, sichergestellt werden.

Fallbeispiel: Perspektiven für die Jugend


Die Grohe AG, Hersteller von Sanitärarmaturenhat sich in seiner Nachhaltigkeitsstrategie dem Schutz der Ressource Wasser verpflichtet. Passend dazu betreibt Grohe in Indien ein Projekt, um Straßenkindern eine Perspektive zu bieten: An der Grohe Jal Academy in Mumbai werden die Jugendlichen, die sonst kaum eine Chance auf menschenwürdige Arbeit haben, zu Installateuren ausgebildet. Mit diesem Fachwissen können sie ihren Lebensunterhalt bestreiten und leisten einen Beitrag zu Trinkwasserschutz und Hygiene.

Anregungen für Ihr Unternehmen

Verwalten Sie noch „Human Resources“ oder kümmern Sie sich schon um die Menschen in Ihrem Unternehmen? Prüfen Sie zunächst die Basisfaktoren der Menschlichkeit:

  • Werden Frauen und Männer bei gleicher Leistung gleich bezahlt?
  • Beschäftigen Sie Menschen mit Behinderung?
  • Haben Sie ein faires und vorurteilsfreies Auswahlverfahren für Bewerber*innen? 

Ein attraktiver Arbeitgeber zu sein ist nicht nur nett fürs Betriebsklima, sondern in Zeiten des Fachkräftemangels unabdingbar. Bewerber*innen der jungen Generation fragen nicht mehr nach Work-Life-Balance und flexiblen Arbeitszeiten – sie suchen nach Life-Life-Balance und würden gerne von überall arbeiten können. Wer will schon vom Gutdünken solcher sogenannten High-Potentials abhängig sein, fragen Sie jetzt zurecht. Und bevor Sie einen Kickertisch und eine Chill-Out-Lounge aufbauen, prüfen Sie, welche Maßnahmen für Ihre Mitarbeiter wirklich relevanten Mehrwert haben und was zu Ihrem Unternehmen passt. Schauen Sie sich doch etwas von der Flexibilität ab und werden Sie selbst kreativ. Vielleicht hat es sogar Vorteile, wenn nicht alle Mitarbeiter ständig vor Ort sein müssen? Vielleicht finden Sie Fachkräfte in anderen Teilen der Welt, die Ihnen gerne zuarbeiten? Möglicherweise helfen Job-Sharing-Modelle, Teilzeitangebote für Führungskräfte, Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder innovative Schritte bei der Inklusion die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erfüllen und gleichzeitig die Arbeitgebermarke zu stärken? 

Als nachhaltig denkendes Unternehmen sollten Sie natürlich gewährleisten, dass Sie die Menschenrechte in Ihrer gesamten Produktionskette achten. Reicht die Bezahlung der Angestellten, um die Familie zu ernähren? Sind sie vor Schadstoffen und anderen Gefahren, Gewalt und Ausbeutung geschützt? Gibt es Gewerkschaften, die Arbeitnehmerrechte durchsetzen? Halten Sie Ihre Zulieferbetriebe zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen an und kontrollieren Sie die Umsetzung.

Extratipp: Informieren Sie sich über Programme für Entwicklungspartnerschaften, die Ihnen für Auslandskooperationen finanzielle Mittel und Know-How zur Verfügung stellen. Erschließen Sie sich so neue Absatz- und Arbeitsmärkte für nachhaltiges Wachstum.

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