Das nenne ich mal eine Headline: “McDonald’s verabschiedet sich vom Hamburger!” Bitte was? Und tatsächlich. Im Pariser Banken- und Büroviertel La Défense kredenzt die (Ex-)Burgerkette ab sofort seinen Gästen nur noch Frisches von der Salatbar. Der Bio-Imbiss ist eingebunden in das McCafé-Konzept und gilt als Testmarkt für die zukünftige Ausrichtung des Konzern. Mit Frankreich hat sich McDonald’s den wichtigsten Markt außerhalb der USA ausgesucht. Der sprichwörtliche Hang zur guten Küche in Frankreich ist dabei eher nebensächlich.
Was steckt also drin in der Bio-Tüte? Wieder nur altes Plastik-Futter (nur eben grün angemalt) oder vielleicht doch die tiefere Einsicht, dass man mit Gen-Food und geschmacksverstärkten Kalorienmonstern bald nur die “abnehmende” Zielgruppe derer finden wird, denen gesunde Ernährung wirklich völlig egal ist.
Dass Bio-Lebensmittel nicht nur bei der Öko-Bohème in Berlin-Prenzlberg und in Freiburg-Vauban beliebt sind, sondern eben auch in Paris, London und New York weite Teile der einkaufenden Bevölkerung erreicht zeigen die unzähligen Bio-Proukte in den Supermarktregalen. Die Marktdurchdringung scheint sich dabei ganz offenbar konzentrisch von den urbanen Zentren an die Stadtränder zu bewegen und nicht – wie man annehmen könnte – umgekehrt.
Der aufgeklärte Großstadtmensch entdeckt mithin seine Vorliebe fürs Natürliche und bildet die frühe Mehrheit der Öko-Kunden. Der suburbane VW-Touran-Fahrer hingegen geht weiterhin – wenn auch seltener – auf der “grünen” Wiese auf Schnäppchenjagd.
So ist es kein Versehen, wenn McDonald’s das erste Bio-Restaurant im beton-grauen Umfeld von La Défense eröffnet sondern Ergebnis einer durchdachten Marketingstrategie. Sollte das Konzept dort erfolgreich sein, dürfen wir uns schon bald auf McBio in Frankfurt, Berlin und Hamburg freuen.
Doch nur Greenwashing also bei McDreck? Wünschen wir McDonald’s viele gesunde Kunden. Auf dass das Konzept, Gutes zu tun, aufgeht und viel gutes Karma zu weiteren Schritten motiviert.
Märkte kennen keine Moral, so die bisherige Grundlage auf der Aktienhändler und Börsenspekulanten ihre Portfolios mit allerhand fragwürdigen Titeln gefüllt haben. Die Financial Times Deutschland hat dazu jetzt einen Artikel veröffentlicht, der das Thema Moral und Markt beleuchtet.
FTD vom 09.01.2010 – Tugend, Zaster, Laster
Demnach versprächen gerade die “unmoralischen” Anlagen hohe Renditen. Was die FTD dann so “sündig” nennt führt den Artikel und mit ihm den Leser in die völlig falsche Richtung. Verwerflich ist da die Anlage in Alkohol wie die Carlsberg Brauerei oder in nackte Haut bei Beate Uhse. Mit einem Augenzwinkern spricht die FTD von den kleinen Sünden den Menschen, über die sich die Moralisten mal nicht so echauffieren sollen.
Was die FTD (wohl aus gutem Grund) völlig weglässt sind die menschenverachtenden Spekulationen mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln oder Saatgut. Jeden Tag fordert die Gier der Anleger die Leben der Menschen, die sich die Lebensmittel bzw. das Saatgut nicht leisten können. Da werden Profite mit dem Unglück von Menschen gemacht, die keine Chance haben.
Das, liebe FTD ist wirklich böse!!