Oktober, 2010

Die Welt aus den Angeln heben

POSTED IN Gutes Karma | TAGS : , , , 20. Oktober 2010

Benoit Mandelbrot

Die Welt aus den Angeln heben

Am 14. Oktober ist Benoît B. Mandelbrot im Alter von 86 Jahren gestorben. Vielen ist der Name überhaupt kein Begriff, den Medien war der Tod des Mathematikers aus Cambrigde eine Randnotiz wert und nur wenige haben ausführlicher berichtet. Das ist insofern bemerkenswert, da Mandelbrot mit seiner Forschung nicht weniger vollbracht hat, als die bisherige Welt vollständig aus den Angeln zu heben. Mandelbrot gilt als einer der führenden Vertreter der Chaostheorie und hat mit der nach ihm benannten Mandelbrot Menge die Grundlage zur fraktalen Geometrie gelegt.

Was, hat er? Kurz gesagt hat Benoît Manelbrot das historische Bild einer Welt, die sich auf idealen, perfekten Gesetzen aufbaut durch Chaos und Unordnung ersetzt. Seit Platon gilt, das Ideal als Grundlage für die Beschreibung der Welt. Beispiel: Ein Punkt in einem Koordinatensystem ist nach Platon exakt ein Punkt. Aus dem Perspektive einer Ameise wird ein Punkt jedoch eine respektable Fläche. Fazit: Für Platon war die Natur die kleine hässliche Schwester der Mathematik. Nur dient diese Mathematik überhaupt nicht, unsere Realität zu beschreiben, da sie es sich viel zu leicht macht.

Platoniker und das Apfelmännchen

Das hörten die sog. Platoniker natürlich nicht gerne. Postwendend haben sie Mandelbrot, nachdem eine direkte Opposition zu seinen Ideen, schon allein durch den gesunden Menschenverstand nicht haltbar war, den Mathematiker als “Erfinder des Apfelmännchens” zur Popart-Ikone wegbefördert.

Preis-Absatz-Funktion

"Wo genau war noch mal die Gewinnschwelle?", fragte die Ameise.

Dabei steckt hinter der Idee der fraktalen Geometrie ein geniales Bauprinzip, durch das alle natürlichen Systeme beschrieben werden können. Grundlage hierfür ist die millionenfache Wiederholung ganz einfacher Prozesse. Blattadern, die Verteilung von Milch im Kaffee, das Wetter, die Wirtschaft – super-komplexe Systeme basieren auf der gleichen Idee, der Multiplikation.

Chaos und Marketing

Womit wir im Marketing wären. Märkte sind komplexe Strukturen aus Millionen einzelner Individuen mit Milliarden von Entscheidungen, die zudem online miteinander vernetzt sind. Der Versuch, sich mit platonischen Mitteln dieser Komplexität zu nähern führt genau dahin, wo viele Unternehmen heute noch scheitern: in Excel-Charts, Business-Intelligence Dashboards und quartalsweisen Return on Marketing Invest Berechnung, die bestenfalls bis zum nächsten unvorhergesehenen Ereignis Bestand haben.

Was tun, wenn man, wie das Wetter, die Zukunft nicht beherrschen kann? Na ja, ein Regenschirm wäre ein guter Anfang. Ebenso erfolgversprechend ist es, Entscheidungen auf Grundlage von Erfahrung und nicht anhand von idealisierenden Excel-Berechnungen zu fällen. Sicher der beste Weg, sich durch das Chaos zu bewegen, ist die Konzentration auf das Gute im Unternehmen und dessen glaubwürdige Kommunikation. Und, oh Wunder, gutes Karma im Marketing.

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