“Bescheidenheit die schlimmste Form der Eitelkeit”. Wer einen Artikel über die Vorzüge eines bescheidenen Lebenswandels schreibt, sollte vielleicht nicht mit diesem Zitat einsteigen. Oder vielleicht sollte er genau das tun. Ich versuche es mal – in aller Bescheidenheit.
Wahre Bescheidenheit ist eine in allen Kulturkreisen tief verwurzelte Tugend. Bescheidene Menschen werden als angenehm empfunden. Dabei eröffnet dieses einfache Wort eine wahre Vielfalt von Bedeutungen, die durchwegs eine gute Wirkung auf die Umwelt entfalten. Diese kehrt durch positive Rückkopplungen – also gutes Karma – zu dem “sich Bescheidenden” wieder zurück.
Für die “Business-Welt” scheint die Bescheidenheit jedoch eher hinderlich zu sein. Großspurigkeit, Gier und Maßlosigkeit - so könnte man glauben – geben den Ton an in unserer Wirtschaft. Dabei kommt die “neue Bescheidenheit”, von der in Finanzkreisen neuerdings gesprochen, wird mit der Wucht eines Bumerangs aus dem einleitenden Zitat zurück.
Dass Bescheidenheit im Wirtschaftsleben viel Positives bewirken und dem Absender entsprechend gutes Karma bescheren kann, möchte ich hier an ein paar Beispielen zeigen.
Bescheidenheit in der Unternehmensstrategie
Das Dogma, dass die Aneinanderreihung von möglichst vielen gewinnoptimierten Quartalen eine langfristige Erfolgsstrategie ist, scheint durch die Finanz- und Wirtschaftskrise, die gerade die “High-Performer” hart getroffen hat, vom Tisch zu sein. Die sich auf eine langfristige Perspektive einstellenden, meist inhabergeführte Unternehmen, die in Ihrer Wachstums- und Ertragsstrategie Bescheidenheit walten lassen, fallen weniger tief, erholen sich schneller und sind im langfristigen Trend fast immer erfolgreicher. Einen schönen Artikel dazu gab es bei n-tv.de
Bescheidenheit in der Kommunikation
Das iPhone ist mit seiner Schlichtheit im Design ein Kristallisationspunkt von Bescheidenheit in Gestaltung und Kommunikation. Das Weglassen jeglicher Opulenz von in Öl gelagerten Druck- und Drehknöpfen, bei einem High-Tech Gerät sonst üblich, ist erholsam für die Seele des Nutzers. Auch die trotz Ihrer großen Vielzahl, schlichten Apps konzentrieren sich meist auf eine Aufgabe. Einfachheit statt Multioptionalität.
Bescheidenheit im Marketing Management
Bescheidenheit im Umgang mit Menschen, ob als Kunde oder Dienstleister, trägt wesentlich zur Motivation des Einzelnen und mithin zum gemeinsamen Erfolg bei. Der Auftraggeber bezahlt nur Zähne knirschend die Rechnung der Agentur, auf der jede Minute abgerechnet wird. Der Dienstleister wiederum stemmt sich gegen die allzu dreiste – und unbescheidene – Forderung nach “Kulanz” (übrigens ein Widerspruch in sich). Bescheidenheit ist hier Ausgleich der Interessen und gutes Karma stellt sich in Form einer guten Zusammenarbeit ein.
Sich zu bescheiden, Einfachheit, Selbstbeschränkung, Gelassenheit und auch Zufriedenheit anzustreben ist keine Schwäche, sondern bringt gutes Karma.
Wie war das noch:
“Eure Armut kotzt mich an”
(Aufkleber auf einem 500 SL)